Technische Abgrenzung zwischen der Oracle Datenbank Standard Edition und Enterprise Edition

Eine Frage, die mir immer wieder begegnet, ist ob sich  Oracles Datenbankeditionen Standard (SE) und Enterprise (EE) in der Basisfunktionalität, also abgesehen von den Enterprise Edition Erweiterungen (Management Packs und Datenbankoptionen), unterscheiden. Oder ob die Unterscheidung rein formell ist und der Lizenzierung dient, sprich die Funktionalität ist in beiden Editionen vorhanden. Dieser Frage soll in diesem Eintrag nachgegangen werden.

Ein Blick in den Database Installation Guide zeigt, dass man für eine Enterprise Edition Installation knapp 2% mehr Speicherplatz auf der Festplatte benötigt. Nicht nur die Oracle Homes sind unterschiedlich groß: das Data Dictionary einer Enterprise Edition Datenbank enthält Datenbankobjekte, die in der Standard Edition nicht vorhanden sind. Aus diesem Grund ist empfohlen, bei einem Downgrade von EE auf SE einen Export/Import vorzunehmen. Die SYS-Schemaobjekte werden nicht exportiert; somit wird man die EE-spezifischen Data Dictionary Objekte los (My Oracle Support > Support Note ID 139642.1). Die SE-Funktionalität hingegen ist in der EE gänzlich enthalten; deswegen ist der Konvertierungsprozess einer SE zu einer EE recht einfach (My Oracle Support > Support Note ID 117048.1).

Man kann sagen, dass die installierte Software für SE und EE fast identisch ist: es werden standardmäßig alle Features und Komponenten der EE installiert. So lässt sich prüfen, welche Komponenten installiert wurden:

sql> select comp_id, comp_name, status, schema from dba_registry order by comp_name;

Der DB-User in der Spalte schema ist der Eigentümer der  jeweiligen Datenbankkomponente und deren Objekte, z.B. MDSYS für Oracle Spatial. Die Abfrage liefert identische Ergebnisse in der SE und in der EE (Version 11gR2). Man sieht, dass EE  Optionen wie Spatial auch in der SE installiert werden.

Die EE-Funktionalität  steht in der SE jedoch nur bedingt zur Verfügung. Die kostenplichtigen Optionen der EE (wie Advanced Compression oder Partitioning) sind in der SE standardmäßig deaktiviert. So wird der Versuch eine Tabelle mit dem Zusatz compress for oltp anzulegen oder zu partitionieren scheitern, mit der Fehlermeldung ORA-00439: feature not enabled. Leider sind nicht alle EE-Funktionen gesperrt. Man kann in SE 11gR2 problemlos über flashback table to before drop gelöschte Tabellen aus dem Recyclebin wiederherstellen, obwohl dieses Feature der EE vorbehalten ist. Flashback Database ist wiederum gesperrt.

Es bleibt Aufgabe des Nutzers sicherzustellen, dass nur lizenzierte Features im Einsatz sind. Welche Features in welcher Datenbankedition erlaubt oder Teil der lizenzpflichtigen Optionen sind, beschreibt der Oracle Database 11gR2  Licensing Information Guide. Die Feature Matrix findet man auch auf My Oracle Support in der Support Note ID 1084132.1. Diese Dokumente sollten vor der Nutzung  einer Datenbankfunktionalität immer herangezogen werden.

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Kann man Optionen der Oracle Datenbank Enterprise Edition deaktivieren?

Oracle Datenbankoptionen (wie Oracle Partitioning, Advanced Compression oder Real Application Testing) sind getrennt zu lizenzierende Produkte. Sie werden zusammen mit dem Oracle Datenbankserver installiert. In älteren Versionen der Oracle Datenbank konnte man einige Optionen von der Installation ausschließen. Seit Version 11gR2 werden jedoch alle Komponenten mit installiert (dies gilt auch für die Standard Edition).

Eine Option wird allein durch die Installation nicht zwingend lizenzpflichtig. Sie ist zu lizenzieren, wenn ihre Nutzung beabsichtigt ist.  In einem anderen Blog-Eintrag ist beschrieben worden, wie man feststellen kann, ob eine kostenpflichtige Funktionalität verwendet wurde. Die von Oracle Support angebotenen Skripte verfolgen die Nutzung der Produkte und nicht ihr Vorhandensein.

Um eine Nutzung kategorisch auszuschließen ist es möglich – nach der Installation der Oracle Datenbank 11gR2 – folgende 6 Optionen zu deaktivieren (siehe My Oracle Support > Support Note ID 1069015.1)

– Oracle Partitioning
– Oracle OLAP
– Oracle Label Security
– Oracle Data Mining
– Oracle Database Vault
– Oracle Real Application Testing

Wohlgemerkt man kann nicht alle Datenbankoptionen deaktivieren, die sich auf der Oracle Preisliste wiederfinden!

Unter Linux/UNIX kann man sich den Status der o.g. Komponenten (aktiv/nicht aktiv) mit folgendem Befehl anzeigen lassen:

[oracle@dbhost ~]$ ar -tv $ORACLE_HOME/rdbms/lib/libknlopt.a

Die Ausgabe ist nicht selbsterklärend. Man kann anhand der Module aus der Ausgabe und der Support Note ID 1069015.1 feststellen, ob eine Option aktiv ist oder nicht. Bei der Oracle Datenbank Standard Edition bekommt man – wie erwartet- folgendes Ergebnis:

...
rw-rw-r-- 94110/42424  22272 Sep 18 23:43 2011 xsnoolap.o --> OLAP Off
rw-rw-r-- 94110/42424   3968 Sep 18 23:45 2011 kzlnlbac.o --> Label Security Off
rw-rw-r-- 94110/42424   4112 Sep 18 23:46 2011 kzvndv.o --> Database Vault Off
...
rw-rw-r-- 94110/42424   3416 Sep 18 23:54 2011 kecnr.o --> Real Application Testing Off
rw-rw-r-- 94110/42424   3416 Sep 18 23:42 2011 dmndm.o --> Data Mining Off
rw-rw-r-- 94110/42424   3424 Sep 18 23:35 2011 ksnkkpo.o --> Partitioning Off

Nach der Installation der Oracle Datenbank Enterprise Edition ist die Ausgabe wie folgt:

...
rw-rw-r-- 94110/42424   3936 Sep  5 20:24 2010 kzlnlbac.o --> Label Security Off
rw-rw-r-- 94110/42424   4080 Sep  5 20:13 2010 kzvndv.o --> Database Vault Off
...
rw-rw-r-- 500/500   3424 Sep  5 20:14 2010 kecwr.o --> Real Application Testing On
rw-r--r-- 500/500   3432 Sep  5 20:08 2010 kkpoban.o  --> Partitioning On
rw-r--r-- 500/500   3424 Sep  5 20:20 2010 dmwdm.o --> Data Mining On
rw-r--r-- 500/500   4520 Sep  5 20:21 2010 xsyeolap.o --> OLAP On

Das Aktivieren/Deaktivieren einer Option kann sehr einfach mit dem Skript chopt durchgeführt werden (siehe My Oracle Support > Support Note ID 942406.1).  So deaktiviert man z.B. Partitioning:

[oracle@dbhost ~]$ $ORACLE_HOME/bin/chopt disable partitioning

chopt lässt es (leider) zu, auch in der Standard Edition Komponenten zu aktivieren. Ein Test bei Standard Edition 11.2.0.3 hat ergeben, dass trotz erfolgreicher Aktivierung von Oracle Partitioning,  das Anlegen einer partitinionierten Tabelle fehlschlägt. Der Fehler lautet:

ORA-00439: feature not enabled: Partitioning

Die Nutzung von Datenbankoptionen mit der Standard Edition ist ohnehin lizenztechnisch nicht erlaubt.

Welche Oracle Datenbankedition ist bei Ihnen im Einsatz?

Bei der Installation der Oracle Datenbanksoftware 11g gibt man die Edition (Enterprise Edition, Standard Edition oder Standard Edition One) an. Nachträgtlich hat man mehrere Möglichkeiten herauszufinden, welche Edition im Einsatz ist.

Eine Möglichkeit ist in die Global Inventory Logs  nachzuschauen (siehe My Oracle Support > Support Note ID 1341744.1). Den Pfad zur Global Inventory kann man je nach Plattform folgendermaßen finden:
– auf Linux und AIX in der Datei /etc/oraInst.loc (inventory_loc=<Pfad>)
– auf anderen UNIX Plattformen in der Datei /var/opt/oracle/oraInst.loc
– auf Windows als Wert des Registry Keys: HKEY_LOCAL_MACHINE\SOFTWARE\ORACLE\inst_loc
Die Installationslogs befinden sich im Unterverzeichnis logs der Global Inventory. Sie heißen auf allen Plattformen installActions<timestamp>.log. Meistens wird es mehrere Logdateien dieser Art geben; jede bezieht sich auf eine Installation oder ein Upgrade der Oracle Datenbanksoftware (eines Oracle Homes). Der Installationstyp ist im Abschnitt Global settings unter Database edition dokumentiert, z.B.:

--------------------------------------------------------------------------------
Global settings
--------------------------------------------------------------------------------
...
- Database edition : Standard Edition One (Install database software only)

Ein schneller Weg um herauszufinden ob man eine Enterprise Edition im Einsatz hat, ist sich einfach über SQL*Plus mit der Datenbank zu verbinden. Die SQL*Plus Ausgabe enthält im Regelfall einen Banner mit dem expliziten Hinweis auf die Enterprise Edition:

Connected to:
Oracle Database 11g Enterprise Edition Release 11.2.0.2.0 - Production
With the Partitioning, OLAP, Data Mining and Real Application Testing options

Bei Standard Edition und Standard Edition One sieht der SQL*Plus Banner gleich aus. Man kann leider auf diesem Weg zwischen den zwei Editionen nicht unterschieden:

Connected to:
Oracle Database 11g Release 11.2.0.3.0 - Production

Man kann sich die Information aus dem SQL*Plus Banner auch über folgende SQL-Abfrage ausgeben lassen:

select * from v$version;

Weitere Stellen, wo die Datenbankedition dokumentiert ist, listet die Die Support Note ID 735550.1 auf.

Welche Oracle Datenbankoptionen und Management Packs sind bei Ihnen im Einsatz?

Nach der Installation der Oracle Datenbank (Enterprise Edition) stehen alle Features zur Verfügung. Doch nicht alle Funktionen sind über die Lizenz der Oracle Datenbank abgedeckt. Einige Features, z.B. für die Partitionierung oder Komprimierung oder zur  Performance-Überwachung, erfordern zusätzliche Lizenzen für die sog. Database Options und Database Management Packs.  Es ist die Pflicht des Nutzers sicherzustellen, dass nur lizenzierte Funktionalität tatsächlich genutzt wird.

Von der Oracle Support-Seite können 2 SQL-Skripte heruntergeladen werden, die es ermöglichen, die Nutzung von Datenbankoptionen und Management Packs in Ihrer Oracle Datenbank 11.2  festzustellen. Die Skripte helfen dabei, eine korrekt lizenzierte Datenbankumgebung zu gewährleisten. My Oracle Support > Suche nach Support Note ID 1317265.1. Sie müssen die 2 Skripte option_usage.sql und used_options_details.sql mit DBA-Rechten ausführen.

option_usage.sql gibt Auskunft, welche lizenzpflichtigen Produkte wann verwendet wurden.
used_options_details.sql
liefert zusätzliche Details über die verwendeten Features.

Datenbankoptionen und Management Packs sind gesondert zu lizenzieren. Weiterhin sind Lizenzen für die Oracle Datenbank Enterprise Edition erforderlich (keine Standard Edition!). Informationen zu den aktuellen Oracle Lizenzbestimmungen finden Sie auf Oracle Global Pricing and Licensing.

Die Auskunft der zwei Reports ist rein informativ. Oracle weist ausdrücklich darauf hin, dass u.U. „false positives“ aufgelistet werden. Das sind Features, die Oracle intern, für die Implementierung und Verwaltung von Systemobjekten verwendet, und für die der Endnutzer nicht bezahlen muss. Bekannte Fälle solcher falsch positiven Ergebnisse sind in der Support Note ID 1309070.1  dokumentiert.

Alles in allem, sind die zwei Skipte von Oracle hilfreich, um eine Bestandsaufnahme der tatsächlich verwendeten Funktionalität durchzuführen.