Wieviel Heterogenität lässt eine Oracle Data Guard Umgebung zu?

Eine Data Guard Standby Datenbank dient dem Schutz der primären (produktiven) Oracle Datenbank. Es handelt sich um eine zweite – im Idealfall räumlich getrennte – Datenbank, die über den Data Guard Mechanismus mit der Produktionsdatenbank synchronisiert wird. Bei einem ungeplanten Ausfall der Primärdatenbank übernimmt die Standby Datenbank den produktiven Betrieb. Man kann die Standby Datenbank auch dazu verwenden, Wartungsarbeiten (wie Datenbank-Upgrades oder Patches) in einem rollenden Modus durchzuführen und die damit verbundenen Ausfallzeiten zu verkürzen.

Best Practice

Oracle empfiehlt den Aufbau einer homogenen, symmetrischen Data Guard Konfiguration mit gleicher Hardware, gleichem Betriebssystem, gleicher Version des Betriebssystems und der Oracle Software und gleicher Konfiguration von Primär- und Standby Datenbank. So kann nach einem Rollentausch ein ähnliches Datenbankverhalten, sowie die Einhaltung von Service Levels Agreements erwartet werden.

Es wird mindestens erwartet, dass auf Primär- und Standby-Server folgende Parameter übereinstimmen:

– die Oracle Platform ID (z.B. 13 für Linux x86-64)
sql> select platform_id, platform_name from v$database;

– die Oracle Datenbankversion und das Patchset (z.B. 11.2.0.3)
sql> select version from v$instance;

Erlaubte Abweichung von der homogenen Konfiguration

Zwei Hinweise auf My Oracle Support geben Auskunft, welche Unterschiede zulässig sind: Support Note ID 413484.1 Data Guard Umgebung mit physikalischen Standby-Datenbanken, Support Note ID 1085687.1 Data Guard Umgebung mit logischen Standby-Datenbanken.

1. erlaubte Abweichungen bei gleicher Oracle Platform (platform_id s.o.)

– Hardware von verschiedenen Herstellern
– unterschiedliche Rechenkapazität (Anzahl der CPUs), Speichergröße (RAM), Festplattengröße
– unterschiedliche Dateisysteme (z.B. Primärdatenbank auf Fremddateisystem, Standby-Datenbank auf ASM)
– unterschiedliche Betriebssystemdistributionen (z.B.Primärdatenbank auf RHEL, Standby-Datenbank auf SUSE Linux – hier sollte man achten, ob die Distribution von Oracle zertifiziert wurde)
– unterschiedliche Betriebssystemversionen (z.B. Primärdatenbank auf Oracle Linux 5.4, Standby-Datenbank auf Oracle Linux 6)
– Single-Instance und RAC-Datenbanken

2. zulässige Plattformkombinationen

– die o.g. Support Notes geben Auskunft dazu. Kombinationen sind nur ab einer bestimmten Datenbankversion, ggf. nach Anwendung eines Patches und ggf. mit Einschränkungen möglich.

– Beispiele bei Data Guard mit physikalischer Standby Datenbank:
ab Version 10g verschieden Wortlängen (z.B. Linux x86 32-bit und Linux x86-64)
ab Version 11g heterogene Plattformen derselben Endianess (z.B. MS Windows x86-64 und Linux x86-64 – little endian oder HP-UX Itanium und HP-UX PA-RISC – big endian).

3. verschiedene Datenbankversionen und Patchsets

– Oracle erlaubt für den Zweck eines rollenden Datenbank-Upgrades unterschiedliche Versionen von Primär- und Standby-Datenbank. Die Standby Datenbank wird zuerst auf ein höheres Release oder Patchset gebracht, währenddessen empfängt sie Änderungsdaten von der „älteren“ Primärdatenbank. Nach dem Umschalten des Betriebs auf die aktualisierte Standby Datenbank findet das Upgrade der alten Primärdatenbank statt.

– Rollende Datenbank-Upgrades mit logischen Standby Datenbanken werden ab Version 10.1.0.3 unterstützt. Ab Version 11.1.0.7 kann man für den Zweck eines rollenden Upgrades auch eine physikalische Standby Datenbank verwenden, die temporär in eine logische Standby Datenbank umgewandelt wird.

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